
Piazza Garibaldi, Marktplatz in Sulmona
Ostern in den Abruzzen
Wer über Ostern wegfahren will, sollte sich überlegen, ob er diesmal nicht nach Italien, in die wunderschönen Abruzzen fährt. Denn Ostern ist in Italien ganz speziell und wird anders gefeiert, als in Deutschland. Bei uns, hinter den Alpen sucht zum man Beispiel keine Ostereier im Freien und kennt auch keinen Osterhasen. Dieser kam ja erst später aus kommerziellen Zwecken dazu.
Dafür werden bei uns in Italien die Kinder mit besonders großen Schoko-Eier beschenkt, die mit tollen Überraschungen gefüllt sind – je größer das Osterei, desto spannender und größer der Inhalt. Als Kind hatte mir meine Omi immer solch ein Riesen-Osterei geschenkt und sogar auch mal bis nach Deutschland geschickt.
Gutes Essen, gehört wie die Luft zum Atmen dazu.
Gutes Essen gehört bei uns in Italien zu einem der (fast )wichtigsten Dinge im Leben – und das an jedem einzelnen Tag.:-) Und natürlich an Ostern gibt es daher ganz besonders viele köstlichen Gerichte.

Freitagabend: Prozession auf der Piazza Garibaldi
Karfreitag wird bei uns traditionell nur Fisch gegessen, das beginnt dann Mittags mit Spaghetti Frutti die Mare. Den Fische haben wir wie jedes Jahr natürlich aus dem kleinen Fischladen auf dem Marktplatz gekauft. Dieser kleine Laden ist ein Familienbetrieb und an Feiertagen wie diesen steht die komplette Familie im Laden und verkauft ihren Fisch. Besonders an Feiertagen wie Weihnachten und Ostern, wo der allgemeine Fischkonsum steigt, ist der Laden voll. Riesendränge und laut ohne Ende, weil alle durcheinander reden. Aber es macht Spaß und man riecht das Meer förmlich, so frisch sind diese dort angebotenen Fische.
Abends gibt es dann nochmal leckeren Fisch. Dann gibt es zum Beispiel in Olivenöl gebratenen Lachs, Scampi und weitere leckeren Fischsorten. Dazu bereiten wir immer einen grünen Salat mit Orangen, Olivenöl und Essig zu. Zu Trinken gibt es natürlich den selbstgemachten Weißwein. Nach dem Espresso am Abend geht es in die Stadt, um die traditionelle Karfreitagsprozession zu betrachten. In der Nacht des Karfreitags sind die gesamten Straßen vom Licht der Fackeln beleuchtet. Dann ziehen Büßergemeinschaften in Erinnerung an die Passion Christi durch die Ortschaften.

Papas selbstgemachte Lasagne
Ostersonntag gibt es dann die selbstgemachte Lasagne – fast jede Familie macht das. Bei uns macht das mein Vater, früh morgends beginnt er den Teig zu kenten und dann in dünne Teigplättchen zu rollen. Dies wird mit einer speziellen Maschine, die man per Hand dreht gemacht. Die leckere Tomatensosse hat er natürlich schon den Abend vorher aufgesetzt, so dass diese nur noch leicht vor sich hinköcheln muss. Dann wird begonnen, die Lasagne Lage für Lage in das dafür vorgesehen Blech zu geben, damit bis zur Mittagszeit alles pronto ist:-)
Um die Mittagszeit, bevor man sich auf die leckere Lasagne stürzen kann, störmen dann alle auf den Marktplatz – auf die Pizza Garibaldi. Dort wird schon seit Tagen das Ereignis – die “Madonna che corre” (die rennende Madonna) – vorbereitet. Menschenmassen pilgern dann von überall her in unsere wunderschöne Kleinstadt Sulmona um dieses Spektakel zu sehen.

Piazza Garibaldi, Madonna che corre
Bei der Prozession wird eine Geschichte über die Auferstehung Christi erzählt. Die Madonna-Statue wird aus der Kirche getragen. Die Apostel Petrus und Johannes – auch Statuen, die von den Teilnehmern getragen werden – berichten der trauernden, in ein schwarzes Gewand gehüllten Jungfrau Maria von der Auferstehung Jesus. Maria sieht dann ihren Sohn und rennt ihm über den Marktplatz entgegen, um ihn zu umarmen. Während sie läuft, fällt ihr das schwarze Gewand und das Taschentuch herunter. Dabei wird ihr prächtiges grünes Kleid enthüllt, aus dem steigen die Friedenstauben in den Himmel empor. In diesem Augenblick beginnt die Menschenmenge dann laut zu jubeln und zu applaudieren – das muss man einfach gesehen haben, denn es ist wirklich ein sehr schönes Schauspiel. Danach trinkt man dann noch ein Aperitif mit Freunden oder der Familie in einem der zahlreichen Bars und begibt sich nach Hause zum Osterschmaus.
Nach der Lasagne gibt es natürlich noch etwas Süsses – die Colomba Pasquale. Das ist eine Art Hefekuchen (so wie an Weihnachten die Panettone) nur diesmal in Form einer Ostertaube und mit Mandeln bestückt.
Dieser traditionelle Kuchen schmeckt nicht nur köstlich sondern hat sogar eine Legende. Als der König der Langobarden Alboin Pavia erobert hatte, wollte er die Stadt und ihre Bewohner für ihren Widerstand bestrafen. Einer Frau gelang es aber, mit einem Kuchen, der die Form einer Friedenstaube hatte, das wilde Pferd des Königs und den König selbst zu zähmen. Beeindruckt von diesem “Wunder” verschonte der König die Stadt.